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ESD und statische Aufladung erkennen – bevor sie zum Problem werden

ESD und statische Aufladung erkennen – bevor sie zum Problem werden
Bildquelle: iStockphoto / Nuttapong Punna

Statische Elektrizität entsteht in nahezu jeder Produktion. Meist bleibt sie unsichtbar. Ihre Auswirkungen dagegen sind oft deutlich spürbar. Bauteile ziehen Staub an, Kunststoffteile haften aneinander, Folien lassen sich schlechter verarbeiten oder empfindliche Elektronik wird durch elektrostatische Entladungen beschädigt. Auch ungeplante Anlagenstillstände oder Qualitätsschwankungen können ihre Ursache in einer unbemerkten statischen Aufladung haben.

Bevor über geeignete Gegenmaßnahmen entschieden werden kann, muss zunächst bekannt sein, wo und in welcher Stärke statische Aufladungen auftreten. Denn nur was zuverlässig gemessen wird, lässt sich gezielt beherrschen.

Wo statische Elektrizität entsteht

Je nach Produktionsprozess gibt es zahlreiche Stellen, an denen sich Materialien oder Bauteile elektrostatisch aufladen können. Typische Beispiele sind:

  • Kunststoffgranulat beim Fördern oder Dosieren
  • Folien, Beutel und Verpackungsmaterialien
  • Kunststoffteile auf Förderbändern oder nach dem Spritzgießen
  • Maschinengehäuse und Anlagenteile
  • Abfüll- und Verpackungsanlagen
  • ESD-Arbeitsplätze in der Elektronikfertigung

Die Ursachen sind vielfältig. Reibung, die Trennung unterschiedlicher Materialien oder eine trockene Umgebungsluft reichen häufig aus, damit sich elektrische Ladungen aufbauen. Da diese Vorgänge mit bloßem Auge nicht erkennbar sind, bleiben sie oft lange unentdeckt.

ESD – wenn unsichtbare Entladungen Bauteile beschädigen

Ein besonders sensibles Einsatzgebiet ist die Elektronikfertigung. Hier spielt der ESD-Schutz eine wichtige Rolle. ESD steht für „Electrostatic Discharge“, also elektrostatische Entladung.

Viele elektronische Bauteile reagieren bereits auf Entladungen, die für Menschen weder sichtbar noch spürbar sind. Schon vergleichsweise geringe Spannungen können ausreichen, um empfindliche Komponenten dauerhaft zu beschädigen.

Besonders kritisch sind sogenannte latente Schäden. Das Bauteil funktioniert zunächst scheinbar einwandfrei, fällt jedoch später im Betrieb aus. Die eigentliche Ursache lässt sich dann häufig nur schwer nachvollziehen.

Ein wirksames ESD-Konzept umfasst deshalb mehrere Bausteine. Dazu gehören geerdete Arbeitsplätze, ableitfähige Arbeitsflächen und Böden, ESD-geeignete Werkzeuge und Kleidung sowie die kontrollierte Erdung der Mitarbeitenden. Auch eine ausreichende Luftfeuchtigkeit kann dazu beitragen, die Entstehung statischer Aufladungen zu reduzieren.

Regelmäßige Messungen helfen dabei, die Wirksamkeit dieser Schutzmaßnahmen zu überprüfen und mögliche Schwachstellen frühzeitig zu erkennen.

Statische Aufladungen zuverlässig messen

Verlässliche Entscheidungen setzen verlässliche Messwerte voraus. Für die Erfassung elektrostatischer Aufladungen werden deshalb spezielle Elektrofeldmessgeräte und Sensoren eingesetzt. Sie ermöglichen berührungslose Messungen direkt an Materialien, Produkten, Maschinen oder innerhalb laufender Produktionsprozesse.

Je nach Anwendung kommen mobile Handmessgeräte für punktuelle Kontrollen oder fest installierte Sensoren für die kontinuierliche Überwachung infrage. In besonders sensiblen oder explosionsgefährdeten Bereichen müssen zusätzlich die jeweiligen Sicherheitsanforderungen berücksichtigt werden.

Professionelle Messtechnik sollte nicht nur die Stärke des elektrischen Feldes erfassen. Wichtig sind unter anderem:

  • die zuverlässige Anzeige der Polarität
  • ein definierter und reproduzierbarer Messabstand
  • ein geeigneter Messbereich für die jeweilige Anwendung
  • eine schnelle und eindeutige Darstellung der Messergebnisse
  • die Möglichkeit zur regelmäßigen Überprüfung und Dokumentation
  • eine sichere Anwendung unter den vorhandenen Umgebungsbedingungen

Der Messabstand ist dabei von besonderer Bedeutung. Da sich das Messergebnis mit dem Abstand zwischen Messgerät und Oberfläche verändert, müssen Messungen unter vergleichbaren Bedingungen durchgeführt werden. Nur so lassen sich Werte zuverlässig beurteilen und miteinander vergleichen.

Mit einem herkömmlichen Multimeter können statische Aufladungen nicht sinnvoll erfasst werden. Dafür werden speziell entwickelte Messgeräte benötigt, die elektrische Felder berührungslos erkennen und sichtbar machen.

Von der Einzelmessung zur Prozessüberwachung

Eine einzelne Messung liefert zunächst eine Momentaufnahme. Statische Aufladungen können sich jedoch verändern – beispielsweise durch andere Materialien, höhere Produktionsgeschwindigkeiten, schwankende Luftfeuchtigkeit oder veränderte Maschinenparameter.

Bei wiederkehrenden Problemen kann deshalb eine kontinuierliche Überwachung sinnvoll sein. Fest installierte Sensoren erfassen Veränderungen während des laufenden Prozesses und können dabei helfen, kritische Zustände frühzeitig zu erkennen.

Wichtig ist außerdem, die Messwerte nicht isoliert zu betrachten. Entscheidend ist immer der Zusammenhang mit dem jeweiligen Material, dem Prozessschritt, den Umgebungsbedingungen und den möglichen Auswirkungen auf Produktqualität und Arbeitssicherheit.

Prozesse sicherer machen

Nicht jede statische Aufladung führt automatisch zu Problemen. Entscheidend ist, ob sie die Produktqualität, die Prozesssicherheit oder die Arbeitssicherheit beeinflusst.

Die Sehrbrock GmbH unterstützt Unternehmen dabei, kritische Bereiche in Produktionsprozessen zu identifizieren und technische Anforderungen systematisch zu erfassen. Auf dieser Grundlage lässt sich beurteilen, welche Messverfahren und Maßnahmen für die jeweilige Anwendung geeignet sind.

So entsteht eine technisch fundierte Lösung für stabile Prozesse, zuverlässige Produkte und einen wirksamen ESD-Schutz.

Update: 07.09.2026 – Kategorie: Montagepraxis / Lösungen